#StänderatMichel - das Samstagsgespräch

Austausch zur aktuellen Session von Ständerat Matthias Michel mit Bürgerinnen und Bürgern

Ständerat Matthias Michel trifft regelmässig Bürgerinnen und Bürger zum Austausch, in dem er über ausgewählte Themen aus der aktuellen Session berichtet. Das Gespräch dauert eine Stunde und steht allen Interessierten offen.


Technologische und staatspolitische Neutralität (30. März 2026)

Eine grosse Gruppe interessierter Bürgerinnen und Bürger traf sich im Restaurant Schiff zum traditionellen Samstagsgespräch. Mit Ständerat Matthias Michel diskutierten sie diesmal Themen rund um die Neutralität.

 

Für Neutralität, aber gegen die Initiative

Ständerat Michel erläuterte die Diskussionen im Ständerat rund um die Neutralitätsinitiative, die im Herbst zur Abstimmung kommen wird. Er bekannt sich zur Schweizer Tradition der bewaffneten und dauernden Neutralität. Die Neutralitätspolitik wurde schon immer als Instrument für unsere Aussen- und Sicherheitspolitik verstanden und hat im Verlauf der Zeit verschiedene Ausprägungen erhalten. Einige geschichtlich bewanderte Zuhörer bestätigten dies mit Rückblick auf die Zeit vor und nach dem zweiten Weltkrieg. Entsprechend bekräftigten sie, dass es eine unnötige Selbstbeschränkung wäre, wenn die Schweiz sich nicht mehr an Wirtschaftssanktionen der EU zum Beispiel gegen einen völkerrechtsverletzenden Aggressor wir Russland beteiligen könnte. Oder wenn die Schweiz in ihrer Zusammenarbeit mit der NATO unnötig gehindert würde. Genau aus diesen Gründen kam aus dem Publikum des Samstagsgesprächs auch keine Unterstützung für eine äussert einschränkende Neutralitätsinitiative.

 

Technologieneutralität

Um eine ganz andere Art von Neutralität, nämlich um Technologieneutralität und -offenheit, ging es beim zweiten Schwerpunktthema des Samstagsgesprächs, der Energiepolitik. Für Ständerat Michel sind die erneuerbaren Energien der zentrale Pfeiler der Energiepolitik, entsprechend würden dies durch entsprechende Gesetzesanpassungen auch gefördert. Jedoch müsse erkannt werden, dass der durch die digitalen Technologien benötigten Energien nicht ausreichen würden, dass die Schweiz sich ausreichend unabhängig mit Strom versorgen könne. Gerade, um langfristig Souveränität zu ermöglichen, dürften keine nicht fossilen Energiequellen ausgeschlossen werden. Das Publikum teilte Michels Meinung, dass das heute bestehende Verbot von Kernenergie eine unnötige Beschränkung für eine langfristige Energiepolitik einschliesslich der entsprechenden Forschung sei.

 

Gut versorgt vom  Zmorge bis zum Znacht

Anhand der Dutzenden von Einladungen an Parlamentsmitglieder illustrierte Ständerat Michel die Vielfalt der Interessengruppen und Organisationen, die sich jeweils während der Session in Bern tummeln: Da werden interessante Dialoge, Referat und Informationen rund um die Morgen- und Mittagtische geboten. Vom «Honigfrühstück» morgens früh bis zum «Sessionscocktail» abends treffe man sich in verschiedenen Kreisen, die wiederum gute Verbindungen quer durch die Parteien und von Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ermöglichten. Das Publikum erhielt so einen besonderen Einblick in das politische Ökosystem in Bern. Darunter auch der jüngste Anwesende, der sich bereits im Teenageralter ein ambitioniertes Ziel gesetzt hat: Er wolle einmal Bundesrat werden, bekannte er. Schön, wenn sich das Samstagsgespräch zur politischen Kaderschmiede entwickelt!


Vom schweren Entlastungspaket zu südländischen Palmen (23. Dezember 2025)

In der vollen Fischerstube in der Zuger Altstadt lauschten und diskutierten Bürgerinnen Bürger zu politischen Themen. Eingeladen hatte Ständerat Matthias Michel zum letzten Samstagsgespräch in diesem Jahr, einer Tradition, die er seit sechs Jahren pflegt.
 

Grundsätzliche Diskussionen um den Staatshaushalt

Das Entlastungspaket 27, ein Schwerpunkt der Session, stand auch im Fokus des Samstagsgesprächs. Anhand von Beurteilungen von rechtsbürgerlicher und linker politischer Seite erläuterte Ständerat Michel, wie hier die Ideologien aufeinanderprallten: Sparpolitik auf der einen Seite, Kritik am Verzicht auf Mehreinnahmen auf der anderen Seite. Michel zeigte auf, dass es nicht um Kürzungen der Mittel gehe, sondern um eine Abschwächung des Ausgabenwachstums. Dies primär aus Gründen der notwendigen Mehrausgaben für unsere Verteidigung und für die AHV. Michel bekannte sich dazu, dass die AHV für sich ausfinanziert werden müsse und zwar mittelfristige nicht einfach durch Erhöhung von Steuern oder Abgaben, sondern durch eine stufenweise Erhöhung des Pensionierungsalters. Und auch für die Sicherheitsausgaben frage er sich, ob es  nicht ehrlicher wäre, die Bevölkerung zu einer Sonderfinanzierung über eine befristete Erhöhung der Mehrwertsteuer zu befragen. Der Zeitpunkt dazu werde aber erst nach den abschliessenden Beschlüssen zum Entlastungspaket kommen.

 

Methodik des Entlastungsprogramms

Die Akzeptanz eines Entlastungsprogramms hänge stark vom Vorgehen ab, sagte Michel auch aus seiner Erfahrung als ehemaliger Regierungsrat. Diese Methodik hätte aus seiner Sicht anders sein können, und zwar mit mehr politischen Ziel- und Vorgehensvorgaben. So hätten die Kantone von Beginn weg stärker einbezogen werden müssen; schon weil dieser Einbezug fehlte, entzogen die Kantone dem Bundesrat teilweise die Unterstützung. Ständerat Michel selber machte für sich methodisch eine Bilanz, um mit seinem Abstimmungsverhalten noch eine Entlastung des Haushaltes zu erzielen: Aus Überzeugung sei er für eine langfristig ausreichende Finanzierung unserer Bildung und Forschung eingestanden, umgekehrt sei er dort, wo ausreichende Reserven vorhanden seien, dem strengen Bundesratskurs gefolgt.

                                                             

Schmunzelndes aus der Wandelhalle

Zum Jahresabschluss bot Michel noch etwas Leichtfüssiges: Er las aus seiner Kolumne in der Dorfzytig Oberwil zum Thema «Unter Palmen wandeln – von den Galerien im Bundeshaus». Geschmunzelt wurde über das «schönste Raucherstübli der Schweiz», der kleine Balkon auf dem Bundeshaus mit Blick auf die Berner Alpen, und über die südländischen Palmen in der Wandelhalle, welche gemäss Michel nur historisch erklärt werden könnten. Die kulturellen Unterschiede illustrierte er an der Bezeichnung des Parlamentsgebäudes: Das nüchterne «Bundeshaus» werde für die Westschweizer königlich zum «Palais fédéral», also zu einem Palast.


Von Menschenrechten und Ritualen (4. Oktober 2025)

Interessierte Bürgerinnen und Bürger haben sich am 4. Oktober im Restaurant Fischerstube in der Zuger Altstadt zum traditionellen Samstagsgespräch mit Ständerat Matthias Michel getroffen. Er habe quasi eine verlängerte Herbstsession gehabt, startete er das Samstagsgespräch, in dem er in Strasbourg an der Parlamentarischen Versammlung des Europarates als Teil der Schweizer Delegation teilgenommen habe. Dessen Aufgabe, die Einhaltung der Europäischen Menschrechtskonvention einzufordern, sei aktueller denn je. Prägend seien für ihn vor allem die Begegnung mit Nichtregierungsorganisationen aus Georgien und der Ukraine gewesen sowie mit Journalisten, die zum Teil erst vor Kurzem aus russischer Gefangenschaft entlassen worden sind.

 

Keine Halbierung der SRG

Die SRG-Initiative, welche den Gebührenertrag halbieren würde, kommt im Jahr 2026 vors Volk; das Samstagsgespräch war somit eine Aufwärmrunde für die öffentliche Diskussion. Für Matthias Michel ist eine Überprüfung des SRG-Angebots und auch eine effizientere Leistungserbringung richtig, was von den Anwesenden unterstützt wurde; das muss die SRG ohnehin tun wegen der vom Bundesrat beschlossenen Senkung der Haushaltabgabe. Die Initiative setze aber nicht an den Leistungen an, sondern einzig an den Gebühren, kritisierte Michel, und bewirke eine Schwächung des Auftrages an die SRG im Interesse unserer Meinungsbildung und der föderalen Schweiz, weshalb er die Initiative ablehne, wie dies auch National- und Ständerat getan haben.

 

Nahost-Konflikt beschäftigt alle

Der Nahostkonflikt beschäftigt: Die Frage stellt sich, wie sich Staat und Gesellschaft demgegenüber verhalten. Ständerat Michel erinnert daran, dass der Konflikt jahrzehntealt ist und man ihm nicht gerecht wird, wenn nur die aktuelle Situation beurteilt wird. Entsprechend suche er selber den Weg auf dem schmalen Grat, um einerseits eine Einhaltung des humanitären Völkerrechts einzufordern, andererseits keine falschen Schuldzuweisungen für die Verantwortung am alten Konflikt vorzunehmen. Auch die lebhafte Diskussion unter den Teilnehmenden am Samstagsgespräch zeigte, dass einerseits das brutale Vorgehen der Hamas unter Missbrauch der palästinensischen Bevölkerung wie andererseits die israelische Siedlungspolitik und die überschiessenden Räumungsaktionen im Gaza verurteilt werden.

 

Rituale im Ständerat

Zum Samstagsgespräch gehörten auch leichtere Themen oder Anekdoten aus dem politischen Leben. Diesmal erzählte Matthias Michel von Ritualen im Bundeshaus, vornehmlich im Ständerat. Diesem ist eigen, dass die männlichen Mitglieder Krawatte tragen und dass die morgendliche Anwesenheitskontrolle nicht mit einem Knopfdruck auf die elektronische Abstimmungsanlage erfolgt, sondern mit einem Namensaufruf. Es sei Ehrensache, bei diesem Appell präsent zu sein. Ebenso rituell sei die Abschiedszeremonie inmitten des Saales, wo sich alle die Hand und einen Augenblick schenken.


Von Wahlfreuden und Regulierungssorgen

Interessierte Bürgerinnen und Bürger haben sich im Restaurant Fischerstube in der Zuger Altstadt zum traditionellen Samstagsgespräch mit Ständerat Matthias Michel getroffen. Sein Erfahrungsbericht über die Bundesratswahl und Fragen um Regulierung und Deregulierung gaben zu lebhaften Diskussionen Anlass.

Einst Regierungskollege von Martin Pfister, hat Ständerat Michel dessen Wahlkampf um den Bundesratssitz nah mitverfolgt. Wo möglich, unterstütze er ihn und freute sich am Wahltag mit einer grossen Schar Zugerinnen und Zugern, die auf dem Bundesplatz ihren Bundesrat erwarteten. Michel versorgte die Schar kurzerhand mit Baarer Bier, das im Bundeshaus zum Apéro gereicht wurde (Bild). Michel kommentierte, Martin Pfister habe das Feld von hinten aufgerollt und das Bundeshaus von innen heraus erobert: Gelassen, überlegt, zielgerichtet. Statt die mediale Bühne habe er mit vielen Parlamentsmitgliedern das persönliche Gespräch gesucht und so bewiesen: Der neue Bundesrat baut auf Beziehungen und gegenseitiges Vertrauen. Michel vertraut auf die Fähigkeiten von Martin Pfister, die herausfordernde Aufgabe mit Sorgfalt, Umsicht und Zielorientierung anzupacken.

 

Regulierungswelle erfasst auch die Schweiz

Vor dem globalen Hintergrund eines verstärkten Nationalismus und einem zunehmenden Schutz nationaler Märkte analysierte Ständerat Michel auch die Tendenzen in der Schweizer Politik. So hat das Parlament in letzter Zeit verschiedene Vorlagen und Vorstösse für verstärkte staatliche Interventionen in die Wirtschaft verabschiedet (z.B. Investitionsprüfgesetz). Auch sei eine Tendenz zu spüren, dem Bundesrat und der Verwaltung sehr enge gesetzliche Vorgaben zu machen. Beide Entwicklungen bereiten ihm Sorgen.

 

Steuersysteme im Visier

Es gehört zu den wesentlichen Elementen politischer Kunst, ein faires und für alle tragbares Steuersystem zu gestalten. Seit Jahrzehnten ein Dorn im Auge ist die Heiratsstrafe bei der Bundessteuer, dass also bei gleichen wirtschaftlichen Verhältnissen Verheirate stärker zu Kasse gebeten werden als Konkubinatspaare. Gemäss einer FDP-Initiative soll neu die Besteuerung von Paaren unabhängig des Zivilstandes erfolgen, wie Michel erläuterte. Dass es auch andere Möglichkeiten gibt, wurde am Samstagsgespräch diskutiert. So haben die Kantone das Problem der Heiratsstrafe mit anderen anderen Methoden (z.B. Ehepaartarif, Splitting) entschärft. Heute noch im Parlament, wird sich in einigen Monaten die Stimmbevölkerung damit zu befassen haben.


Rückblick auf die Sommersession mit Ständerat Matthias Michel (Samstagsgespräch vom 22.6.24)

Vom Bürgenstock in den Palais fédéral

Interessierte Bürgerinnen und Bürger haben sich im Restaurant Fischerstube in der Zuger Altstadt zum traditionellen Samstagsgespräch mit Ständerat Matthias Michel getroffen. Besprochen wurden aktuelle Fragen rund um die Ukraine-Konferenz auf dem Bürgenstock und um die Finanzierung von Staatsaufgaben.

Aus aktuellem Anlass wählte Ständerrat Michel die von der Schweiz organisierte Konferenz auf dem Bürgenstock als Startthema. Dass sie direkte «Friedenskonferenz» im eigentlichen Sinne war, tut für ihn keinen Abbruch: Es ging um ein durch viele Nationen mitgetragenes Bekenntnis zur Gewährleistung von Nahrungsmittelketten, zur Sicherheit von Atomanlagen und zum Austausch von Kriegsgefangen. «Und die Schweiz hat bewiesen, dass sie auch in schwierigen Zeiten ein guter Ort für den internationalen Austausch ist und dass an der Konferenz das Bekenntnis zur Einhaltung des Völkerrechts und damit zur Unterstützung der Ukraine spürbar wurde», meinte Michel. Und aus seiner Begegnung mit dem Präsidenten des ukrainischen Parlaments bestätige er, wie wichtig für die ukrainische Bevölkerung solche Bekenntnisse sind. Anschliessend wurde auch der Beitrag der Schweiz zur Sicherheit in Europa diskutiert, wobei die Meinungen, wie stark sich unser Land der Nato annähern soll, auseinandergingen. Das sei im Parlament nicht anders, meinte Michel.

 

Vom Spar- und Steuerfranken

«Fast jedes Geschäft im Parlament ist nun begleitet durch finanzpolitische Überlegungen», führte Ständerat Michel ins zweite Thema ein. Angesichts der nötigen höheren Verteidigungsausgaben sowie des massiven Mehrbedarfs bei den Sozialversicherungen (demografische Entwicklung, 13. AHV-Rente) stelle sich fast überall die Frage, was der Staat noch finanzieren soll. Für Michel ist es eine Frage der Ehrlichkeit zu erklären, wie erhöhte Verteidigungs- und vom Volk verlangte Sozialausgaben finanziert werden sollen. Für ihn ist es eine Mischung von Einsparungen und einem auf fünf Jahre befristeten Mehrwertsteuerprozent. Im Gespräch wurde aber auch vor einer zu hohen Staatsquote gewarnt.

 

Um vor lauter schwierigen Themen den Humor zu behalten, berichtete Matthias Michel auch von Anekdotischem, so etwa davon, dass auch in der Sommersession der Wolf präsent war, fast ein Dauerthema in der Schweizer Politik: Interessanterweise sei auf Deutsch von der «Jagdverordnung» die Rede, in Französisch jedoch von der «Wolfsverordnung». Oft zeige sich auch in der Sprache die unterschiedliche Sichtweise, meint Michel schmunzelnd und erinnerte auch die Bezeichnung des Parlamentsgebäudes in Bern: Was bei uns nüchtern als «Bundeshaus» bezeichnet werde, heisse in der Romandie «Palais fédéral».